Sie sind fester Bestandteil des städtischen Nah- und Fernverkehrs und doch wird ihnen keine Wertschätzung entgegengebracht. Eisenbahnbrücken; dessen Unterführungen bei Passanten Ängste und mangelnde Sicherheit hervorrufen, stehen da als „verdreckte Orte“ und zeichnen ein ganz eigenes Bild des urbanen Dschungels. Wo sie doch eigentlich Stadtteile verbinden sollen, erfährt man Separierung und Verwahrlosung. Durch zunehmende Vernachlässigung entsteht weitere Destruktion, da eine positive Identifizierung nicht mehr stattfinden kann. 

Um das Bahnhofsviertel in Düsseldorf gibt es viele Bahnunterführungen in schlechtem Zustand. Durch eine exemplarische, künstlerische Intervention ist ein Konzept entstanden, welches den Funktionsraum in einen neuen Aufenthaltsraum verwandelt. Die Unterführungen ähneln sich in ihrer Bauweise, sodass das Gestaltungskonzept auch auf andere Bahnunterführungen  übertragbar ist.

Die Eisenbahnunterführung in ihrem üblichen Zustand ist Nachts sowie Tagsüber sehr schlecht beleuchtet. Eine neue Wandgestaltung und ein neues Beleuchtungskonzept sollen das Gesamterscheinungsbild der Unterführung stärken. Die Stahlträger bekommen eine neue Grundierung, sowie einzelne farbliche Akzente an den Sockeln. Somit wird der Funktionsraum wieder zu einem begehbaren Ort des urbanen Stadtraumes. 

Die neue Wandgestaltung steht im direkten Kontext zur damals ansässigen Düsseldorfer Stahlindustrie. Sie zeigt eine Kette aus geometrischen Formen, welche eine industrielle Maschinerieszene darstellt.  Durch die vom Mauerwerk gebildeten Kompartimente, entstehen unterdessen neue Korrespondenzen welche den Eindruck einer Galerie erwecken. Es sind drei verschiedene Entwürfe entstanden, die alle unterschiedliche Formen und Farben aufweisen. Die Grafik verläuft auf der jeweils gegenüberliegenden Seite gespiegelt und im Komplementärkontrast. Ein neues Beleuchtungskonzept akzentuiert derweil die Architektur der Stahlträger und taucht die Decke in farbliches Licht. 

Die Unterführung im Stadtteil Friedrichstadt ist ca. 100 Meter lang, 3,90 Meter hoch und 20 Meter breit. Insgesamt gibt es 56 Stahlträger und 28 Flächen an der Wand. 
Links: https://designkrefeld.de/werkschau/site/?portfolio=dusseldorfer-bahnunterfuhrungen
Ein neues Lichtkonzept soll das subjektive Sicherheitsempfinden der Passanten stärken. Runde Bodeneinbauleuchten heben die Architektur der Stahlträger hervor, die im direkten Bezug zur Stahlindustrie stehen. Um dem Eindruck einer Industrieanlage entgegenzuwirken, wird die Straßendurchfahrt mit kleinen LED-Spots beleuchtet statt großen Scheinwerfern. Auf den Fußgängerseiten wird die Decke jeweils mit einem linearen Lichtsystem im RGB-Farbraum beleuchtetet.
Um das Gestaltungskonzept besser nachzuvollziehen, habe ich eine Kostenkalkulation nach DIN-Norm 276 erstellt. Sie dient im Bauwesen zur Ermittlung der Projektkosten. Mir war es besonders wichtig ein Konzept zu entwickeln, welches auch tatsächlich umgesetzt werden kann. Um beispielsweise an einer Ausschreibung teilzunehmen, ist es wichtig die realen Kosten zu berücksichtigen. Eine utopische Preislage hätte eine sofortige Ausscheidung zur Folge. Die Tabelle beruht auf realen Preisen bestimmter Dienstleistungen und berücksichtigt die Honorare für Architekten.

Ein Einblick in analoge Collagen

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